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Fashionblogger

Ich bin Fashionblogger. Ich muss lügen. Ich muss betrügen. Ich muss frieren. Ich muss ernst schauen. Ich muss meine Community unterhalten. Ich darf nur vor heller Fassade Bilder machen. Zum Frühstück esse ich täglich eine Smoothie Bowl. Meine Outfits shoote ich immer bei allerfeinstem Sonnenwetter. Frieren im Winter, wenn draußen Minusgrade sind und ich leichtbekleidet posiere? Quatsch! Mir ist warm dabei, es macht mir Spaß. Ich bin es meinen Lesern doch schuldig. Ich muss auf die Fashion Week. Was Berlin? Nein, Paris, Mailand und am besten noch New York müssen es sein.

Ganz ehrlich? Ich muss gar nichts und ich bin trotzdem Fashionblogger!

In letzter Zeit zeigt sich mir immer deutlicher das Bild eines Faschionbloggers – eines Schein-Fashionbloggers. Es scheint so Dinge zu geben, die ein Fashionblogger einfach tun muss. Man muss 3 Bilder am Tag bei Instagram posten, als erstes natürlich ein „ungeschminktes“ I-Woke-Up-Like-This-Picture, dann die Smoothie-Bowl und, nicht zu vergessen, „from where I stand“. Du musst alle neuen Trends mitmachen – ob es zur eigenen Persönlichkeit passt, ist dabei vollkommen egal – die Community will es sehen! Man muss ernst schauen und stets an der Kamera vorbei. Man braucht einen eigenen Kameramann, der Tag und Nacht nur darauf wartet, dass man sich ein neues Outfit zusammengestellt hat und er es endlich fotografieren darf – vor heller Location natürlich. Man braucht Einladungen zu Designern, zu Präsentationen, zu dem Laufstegen der Welt. Über die 90-60-90 Maße will ich mich jetzt gar nicht erst anfangen auszulassen.

Kann sich hier eigentlich noch irgendjemand daran erinnern, warum er damals angefangen hat zu bloggen? Waren Blogs nicht diese unperfekten Orte, wo man mit Schnappschüssen sein Outfit of the day zeigte? Wo sind all‘ diese umperfekten Momente hin?

Ich weiß, ich lehne mich weit aus dem Fenster. Auch ich helle meine Bilder auf; achte auf schöne Hintergründe; zeige euch Outfits, die ich nicht unbedingt täglich so tragen würde, aber dennoch versuche ich mit euch zusammen auf dem Boden zu bleiben. Ich liebe es, unperfekt zu sein und euch daran teilhaben zu lassen. Ich lasse euch gern hinter die Kulissen schauen und zeige euch, wie meine Beiträge wirklich entstehen und wie der Raum um die Kulisse herum aussieht. Denn das bin ich und dahinter kann ich stehen und dennoch nenne ich mich mit stolz FASHIONBLOGGER.

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